Ist es sinnvoll, sich im Ausland behandeln zu lassen, und wie wählt man eine geeignete Klinik aus?
Warum entscheiden sich weibliche gleichgeschlechtliche Paare für eine IVF-Behandlung mit geteilter Mutterschaft?
Der Hauptgrund für die Wahl dieser Option ist die Tatsache, dass weibliche gleichgeschlechtliche Paare die einzigartige Möglichkeit haben, ein Baby auszutragen, das aus der Eizelle ihres Partners entstanden ist (auch mit Verwendung von Spendersamen). Im Vergleich zu einfacheren Behandlungsoptionen (wie der Insemination mit Spendersamen), bei denen die genetische und die Schwangerschaftsmutter ein und dieselbe Person ist (und der andere weibliche Partner „nur“ die soziale Mutterrolle spielen kann), ermöglicht diese Behandlungsoption eine echte gemeinsame Mutterschaft von den sehr frühen Phasen der Empfängnis und der nachfolgenden Schwangerschaft an. Für Paare, bei denen ein medizinischer Grund vorliegt (Probleme mit der Qualität der Eizellen oder der Gebärmutter), ermöglicht diese Behandlung gleichgeschlechtlichen Paaren, sich gegenseitig „auszuhelfen“ und eine Eizellspende oder Leihmutterschaft Behandlung zu vermeiden.
Ist die IVF-Behandlung bei gemeinsamer Mutterschaft in allen europäischen Ländern erlaubt?
Die IVF-Behandlung mit geteilter Mutterschaft ist nicht in allen europäischen Ländern erlaubt (und auch nicht weltweit) oder wird nicht überall routinemäßig praktiziert. Im Allgemeinen ist sie in Ländern mit weniger restriktiven Gesetzen zur künstlichen Befruchtung und in Ländern, in denen LBTQ-Patienten nicht diskriminiert werden, erlaubt. In Europa wurde sie erstmals in Spanien (2010) beschrieben und wird im Vereinigten Königreich und in Belgien routinemäßig praktiziert (sie könnte auch in Irland und Portugal durchgeführt werden). In anderen Ländern wird sie jedoch nicht unbedingt routinemäßig durchgeführt, auch nicht in Ländern, in denen sie nicht ausdrücklich verboten ist (z. B. Deutschland, Italien und Frankreich). Im Gegensatz dazu haben gleichgeschlechtliche Paare in einigen mittel- oder osteuropäischen Ländern nicht einmal Zugang zu Behandlungen der assistierten Reproduktion. Daher könnte es für gleichgeschlechtliche Paare, die eine Behandlung mit geteilter Mutterschaft in Erwägung ziehen, einfacher sein, sich im Ausland behandeln zu lassen.

Tabelle aus Bodri D et al (RBMO, 2017).
Kann die IVF-Behandlung mit geteilter Mutterschaft im Rahmen der Kinderwunsch im Ausland durchgeführt werden? Ist sie logistisch machbar und sicher?
Gleichgeschlechtliche weibliche Paare, die sich im Ausland einer IVF-Behandlung mit geteilter Mutterschaft unterziehen möchten, müssen zunächst eine Online-Erstberatung vereinbaren und die erforderlichen Untersuchungen (Blutuntersuchungen und Ultraschall) zu Hause durchführen woraufhin die Behandlungsphase bis zu zwei Wochen dauern könnte. Während der Behandlung könnten sie den ersten Ultraschall und Hormonuntersuchungen in ihrem Heimatland durchführen und nur für die letzten Phasen der Stimulation und der Eizellentnahme ins Ausland kommen. In diesem Fall ist der gesamte Auslandsaufenthalt kurz und kann maximal 5-7 Tage betragen. Die Eizellentnahme selbst ist ein kurzer, schmerzloser Eingriff, der unter Sedierung durchgeführt wird. Wenn nach der Eizellentnahme keine Komplikationen auftreten, ist es sicher, 24-48 Stunden nach dem Eingriff wieder nach Hause zu fliegen. Die Risiken einer Überstimulation können heutzutage durch die Wahl geeigneter Stimulationsprotokolle weitgehend vermieden werden. Der Embryotransfer kann kurz nach der Eizellentnahme oder zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, falls die Embryonen eingefroren werden. Die daraus resultierende Schwangerschaft wird in ihrem Heimatland weiterverfolgt.

Wie wählt man eine geeignete Klinik für eine IVF-Behandlung mit geteilter Mutterschaft aus?
Im Folgenden finden Sie einige Überlegungen zur Auswahl einer möglichen Klinik für eine Behandlung im Ausland. Es versteht sich von selbst, dass alle Kliniken, die eine Behandlung mit geteilter Mutterschaft anbieten, „LGBTQ-freundlich“ sind und gleichgeschlechtliche Paare genauso behandeln wie alle anderen Patienten, ohne Diskriminierung. Möglicherweise verfügen sie bereits über umfangreiche Erfahrungen in der Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare z.B. mit Insemination mit Spendersamen, die eine von der häufigere Behandlungsoptionen darstellt. Einige Kliniken verfügen auch über eine eigene Spendersamenbank, die meisten nehmen jedoch die Dienste einer externen Samenbank in Anspruch. Ein gut etabliertes, in der Regel privates Zentrum mit einer hohen Anzahl jährlicher Behandlungszyklen ist eine Garantie dafür, dass es mit der Durchführung einer bedeutenden Anzahl von Behandlungen vertraut ist. Ein erfahrenes Embryologie Labor mit den entsprechenden ISO-Zertifikaten und einem umfassenden Qualitätskontrollmanagement ist eine weitere Garantie für gute Laborergebnisse. Eine Klinik, die ihre eigenen Statistiken veröffentlicht (auf ihrer eigenen Website, über öffentlichen nationale Register oder wissenschaftliche Publikationen) und Forschungstätigkeiten durchführt, ist ein Zeichen dafür, dass sie Wert auf Transparenz legt, hohe klinische Standards hat und die neuesten Technologien einsetzt. Eine weitere Voraussetzung ist die Erfahrung im Umgang mit KiA Patienten (Kinderwunsch im Ausland), was eine effiziente Patientenbetreuung durch mehrsprachiges medizinisches Personal sowie engagierte persönliche Pflegeassistentinnen erfordert, die während des gesamten Prozesses in ständigem Kontakt mit dem Patientinnen stehen. Schließlich ist eine gut ausgestattete Klinik mit einem durchgehenden Betrieb an mindestens 6 oder sogar 7 Tagen in der Woche erforderlich, um die reibungslose Planung von Stimulationen, Eizellentnahmen und Embryotransfers zu ermöglichen, die auch an Wochenenden und Feiertagen durchgeführt werden können.


